Supplement DGKH - Hygiene und Medizin - Geschichte der Hygiene

Geschichte der Hygiene

Hygiene und Tuberkulose: Die Geschichte der Tuberkulose

Hintergrund
Die Tuberkulose ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit. Das Tuberkulose-Archiv wurde 1996 in Fulda gegründet und befindet sich seit 2011 im Rohrbacher Schlösschen auf dem Gelände der Thoraxklinik in Heidelberg. In diesem Museum werden die unterschiedlichsten Aspekte der Geschichte der Tuberkulose dargestellt. Robert Koch hat 1882 zum ersten Mal das Tbc-Bakterium öffentlich vorgestellt und den Weg zu einer effektiven Therapie und Hygiene gebahnt. Bis zur Einführung der antibiotischen Therapie in den 1950iger Jahren war die Erkrankung quasi nicht heilbar.

Material und Methode
Jede Epoche beschreibt die Tuberkulose nach ihrem damaligen Verständnis der Erkrankung. Aus der Jungsteinzeit befindet sich in unserem Tbc-Museum eine ca. 6000 Jahre alte Wirbelsäule mit typischen tuberkulösen Veränderungen (Gibbus), die in Heidelberg 1904 ausgegraben wurde (Abb.). In der Antike hat Hippokrates die Lungenphthisis als Krankheitsbild genau beschrieben, Aristoteles vermutete die Übertragbarkeit der Erkrankung. Im Mittelalter werden „Tuberkula“ und knötchenförmigen Veränderungen unterschiedlicher Genese beschrieben. Im 18. Jahrhundert sprach man von der „romantischen Erkrankung“. Ende des 19. Jahrhunderts war die Tuberkulose Erkrankung des Proletariats. Im Nationalsozialismus wurde die Tuberkulose wurde als „asoziale“ Erkrankung diffamiert. In den 1970iger Jahren wurde von einer besiegten Erkrankung gesprochen. In den 1990iger Jahren galt die Tbc als die Erkrankung von Randgruppen. Heute haben wir massive Probleme mit MDR- und XDR-Tbc, besonders in der 3. Welt.

Ergebnisse
Behandlungsversuche jeglicher Art wurden zu jedem Zeitpunkt unternommen. Sie reichen von Heilkräutern, Bädern, Heliotherapie, unterschiedlichen chirurgischen Methoden bis zu den Heilstätten. Das Leid der Betroffenen war bis zum Zeitpunkt der Anwendung der Antibiotika unermesslich. Dieses lange Leiden hat in der Kunst – Musik, Literatur und Malerei, besonders im 19. und 20. Jahrhundert Eingang gefunden.

Diskussion
Ein Tuberkulose-Museum ist notwendig, damit das Leid, das viele Jahrhunderte durch die Tuberkulose ausgelöst wurde, nicht vergessen wird. Alle diagnostischen und therapeutischen Versuche entsprechen der Zeitgeschichte und waren Versuche von mutigen Menschen, die Tuberkulose zu besiegen. Das Museum zeigt wichtige Bausteine aus der Entwicklung des ÖGD, der auch heute noch große Verantwortung in der Tuberkulosefürsorge trägt. Die aktuellen Flüchtlingsprobleme zeigen, dass das Thema Tuberkulose noch lange nicht zu Ende ist, sondern an Aktualität wieder zugenommen hat.


Autor
O. Bock-Hensley
Tuberkulose-Museum Heidelberg

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