Supplement DGKH - Hygiene und Medizin - Präventionsstrategie

Präventionsstrategie

Weniger Hautkontamination durch modifizierte Schutzhandschuhe

Hintergrund
Unsterile Handschuhe dienen in Krankenhäusern zum Schutz des Personals vor dem Kontakt mit potentiell infektiösen Körperflüssigkeiten. Doch auch bei der Verwendung solcher Handschuhe ist eine Kontamination der Hände nie vollständig ausgeschlossen. Unterbleibt dann die – zusätzlich erforderliche – Händedesinfektion, kann es leicht zu Transmissionen oder gar nosokomialen Infektionen kommen.

Material/Methode
Es wurde in einer Feldstudie getestet, ob sich diese Kontaminationsrate der Hände durch eine Modifikation von Nitril-Handschuhen (IP Gloves mit Anbringung einer kleinen zusätzlichen Lasche) vermindern lässt. Durch Zug an dieser Lasche wird es verzichtbar, beim Ablegen der Handschuhe deren Rand am Handgelenk zu berühren. Zur Kontrolle und Bewertung der Kontamination wurden die behandschuhten Hände (Standardhandschuhe vs. IP Gloves) zunächst in Fluoreszenzlösung getaucht, danach abgelegt und die Hände anschließend unter UV-Licht auf Verunreinigungen mit Fluoreszenzfarbstoff untersucht. Probanden waren Mitarbeiter (ärztlicher Dienst und Pflege) der Medizinischen Hochschule Hannover.

Ergebnisse
Von den 317 Teilnehmern an dieser Studie verwendeten 146 Teilnehmer (104 Pflegkräfte und 42 Ärzte) Standardhandschuhe. Die übrigen 171 Teilnehmer (118 Pflegekräfte und 53 Ärzte) verwendeten die modifizierten IP Gloves. In der multivariaten Regressionsanalyse war die Verwendung des modifizierten Produktes ein unabhängiger Faktor für eine signifikant reduzierte Kontaminationsrate von 15,8 % gegenüber 73,3 % bei Standardhandschuhen.

Fazit
IP Gloves garantieren zwar keine vollständige Kontaminationsfreiheit, sind jedoch prinzipiell gut geeignet, die Kontaminationsrate der Hände erheblich zu senken. Ob sich diese Reduktionsrate auch im Alltag in der Patientenversorgung bestätigt, bleibt der Prüfung durch zukünftige klinische Studien vorbehalten.


Autoren
M. Gleser1, 2, F. Schwab3, R.-P. Vonberg1, P. Solbach1, 4, 5
(1 Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, Medizinische Hochschule Hannover
2 IP Gloves GbR, Hannover
3 Institut für Hygiene und Umweltmedizin, Charité – Universitätsmedizin Berlin
4 Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie, Medizinische Hochschule Hannover
5 Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), Standort Hannover-Braunschweig
Disclosure: Herr Maxim Gleser ist sowohl Humanmedizinstudent der Medizinischen Hochschule Hannover als auch Gründer der IP Gloves GbR, Hannover. Das von ihm entwickelte Produkt wurde 2014 im Wettbewerb “StartUp Hannover Impuls” mit dem Ideenpreis ausgezeichnet und 2015 im Wettbewerb “start2grow” prämiert.)

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