Supplement DGKH - Hygiene und Medizin - Umwelthygiene

Umwelthygiene

Umwelthygienische Relevanz von Luftgetragenen Legionellen (42. BlmSchV)

Hintergrund
Die durch Legionellen verursachte Pneumonie gehört zu den umweltmedizinisch relevantesten Erkrankungen und weist eine Letalität von 10 – 15 % auf. So kam es immer wieder zu teils tödlich verlaufenden Legionellen-Pneumonien durch den Austrag von kontaminierten Aerosolen aus Rückkühlanlagen. Daher hat Bundesregierung die Zweiundvierzigste Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Verordnung über Verdunstungskühlanlagen, Kühltürme und Nassabscheider – 42. BImSchV) beschlossen, die Anforderungen zum Schutz und zur Vorsorge für entsprechende Anlagen beschreibt. Die in der 42. BImSchV vorgegebenen Untersuchungen basieren ausschließlich auf kulturbasierten Methoden.
Mit dem Nachweis frei lebender Legionellen im Wasser, die mit kulturbasierten Verfahren erfassbar sind, wird das infektiöse Potential der Legionellen möglicherweise unterschätzt. Kulturabhängige Analysen können nicht die gestressten und nicht kultivierbaren Legionellen (VBNC-Status) sowie nur teilweise diejenigen Legionellen, die in Amöben enthalten sind, erfassen. Wenn die Methoden eine niedrige Sensitivität aufweisen, könnte die schnelle Veränderung der Bakterienpopulation und des Aerosolisierungspotentials ein mögliches Ausbruchreservoir verdecken. Somit lässt sich nicht sicher sagen, ob zukünftige Ausbrüche mit diesen Untersuchungen vermieden werden können.
Die vier seit 2010 in Deutschland bekannt gewordenen Legionellen-Epidemien (2015/16 in Bremen, 2014 in Jülich, 2013 in Warstein und 2010 in Ulm) zeigen die Notwendigkeit, ein effizientes Ablaufschema im Falle eines Ausbruchs unter Berücksichtigung neuer, kulturunabhängiger Nachweismethoden zu etablieren, um relevante Infektionsquellen schnellstmöglich zu identifizieren und somit eine weitere Ausbreitung zu vermeiden.

Material/Methode
Daher hat das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit auf Initiative des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege wissenschaftliche Projekte zur Risikoabschätzung durchgeführt und in Abstimmung mit dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz ein Schema für die Ablauforganisation bei unklarer Ursache eines Legionellen-Ausbruchs für Bayern entwickelt. Da bisher auch kein bundesweites standardisiertes Vorgehen für den Ausbruchsfall im Falle anthropogen verursachter Immissionen Legionellen-haltiger Aerosole in der Umwelt existiert, wird darüber hinaus im Rahmen der VDI-Richtlinie 4259 Blatt 1 ein Maßnahmenkatalog für den Ausbruchsfall unter Berücksichtigung neuer, kulturunabhängiger Nachweismethoden erarbeitet, um relevante Infektionsquellen schnellstmöglich zu identifizieren, indem die Umweltisolate den klinischen Isolaten zugeordnet werden und somit eine weitere Ausbreitung zu vermeiden. Dies erfolgt im Zusammenhang mit einem vom BMBF geförderten Forschungsprojekt.

Ergebnisse
Das für Bayern etablierte Schema für die Ablauforganisation im Falle eines Legionellen-Ausbruchs regelt, welche Behörde in welcher Situation welche Aufgabe hat. Der im Rahmen des BMBF-Projektes erarbeitete Maßnahmenkatalog soll neben Fachbehörden wie dem LGL auch Gesundheitsämtern, Immissionsschutzbehörden und anderen Behörden, die an Ausbrüchen beteiligt sind, zur Verfügung gestellt werden.

Fazit
Neben den Regelungen der 42. BImSchV müssen auch bei der Erregeridentifikation neue Wege beschritten werden, um zukünftig eine schnellere Zuordnung zwischen Infektion und Ausbruchsquelle zu ermöglichen. Die Berücksichtigung neuer, kulturunabhängiger Analyseverfahren könnte zukünftig helfen, um relevante Infektionsquellen schnellstmöglich zu identifizieren und somit eine weitere Ausbreitung zu vermeiden.

Autor
C. Herr
(Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, München)

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