...neulich in der Zahnarzt-Praxis – Editorial HYGIENEmanagement 2/2019

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

„neulich“ ist in meinem Beispiel ersetzbar mit „immer wieder“! Denn immer wieder haben wir im Praxisalltag mit Herstellerangaben und Aufbereitungshinweisen zu tun, die weder die erforderlichen Angaben erfüllen noch umsetzbar sind.

Unser Oralchirurg kam von einer Fortbildung und brachte ein Fixierungsinstrument mit, mit dem kleine Nägel oder Membranen im Knochen fixiert werden. Für die kleinen Nägel gibt es einen Save-Behälter. Das Instrument besteht aus mehreren Teilen, die Gerätespitze kann abgezogen werden und der Schlagbolzen mit Schraubendreher und Ratsche mit einen Sechskantschraubendreher zerlegt werden. Laut Hersteller ist davon auszugehen, dass das Instrument mit allen Innenteilen mit Blut kontaminiert sein kann. Es soll sichergestellt werden, das Blut und physiologische Kochsalzlösung nicht zu Korrosion der Innenteile führt.

 Herstellerangaben und Aufbereitungshinweise sind in der Praxis meist nicht umsetzbar

 Die Aufbereitung beginnt mit der Risikobewertung und Einstufung durch den Anwender. Das genannte Medizinprodukt wird von uns „kritisch“ eingestuft weil es steril zur Anwendung kommt. Zusätzlich wegen Hohlräumen und schwer zugänglichen Teilen bestehen „besonderen Anforderungen an die Aufbereitung“ – das heißt, es gehört zur Gruppe B. Kritisch B eingestufte Instrumente müssen laut verschiedenen Gerichtsbeschlüssen maschinell gereinigt und thermisch desinfiziert werden.

Die letzte KRINKO/BfArM-Empfehlung, die am RKI verabschiedet wurde, ist von 2012. Warum ist es dann im Jahr 2019 noch immer möglich, solche Aufbereitungshinweise zu geben: Reinigung und Sterilisation:...Die Instrumente sind mit Enzymlösungsmittel durchzubürsten. Eine Freigabe vom Hersteller zur maschinellen Reinigung und thermischen Desinfektion im validierten Prozess des RDG gibt es nicht. Gerade für dieses Instrument mit Hohlräumen und Schrauben!

Wir diskutieren darüber, welche Instrumente steril zum Einsatz kommen müssen, wie multiresistente Erreger eingedämmt werden können, was evidenzbasiert bedeutet, und dass ZFA und MFA zur Aufbereitung von Medizinprodukten nach ihrer Ausbildung angeblich ausreichend qualifiziert sind. Gerade dieses Beispiel zeigt, wie wichtig die in der Medizinprodukte-Betreiberverordnung – MPBetreibV – geforderten Sachkenntnisse sind. Jedem Mitarbeiter in der Aufbereitung muss klar sein, dass wir schon sehr lange nicht mehr – und schon gar nicht im Jahr 2019 „mit Enzymlösungsmittel durchbürsten“ und dann sterilisieren.

Eine gute Gelegenheit zur Überprüfung und Aktualisierung der Kenntnisse bietet unser diesjähriger DGSV-Kongress vom 2.– 4.Oktober in Fulda. Interessante Vorträge, Diskussionen, Workshops, und besonders die Parallelsession am 3.10.2019 ab 11:00 Uhr wird spannend und interessant. Angaben der Hersteller zur Aufbereitung von Medizinprodukten – worauf ist zu achten? Dies ist ein Beispiel, das neugierig macht! Das gesamte Kongressprogramm finden Sie wie immer unter www.dgsv-ev.de.

Wir wünschen ihnen einen schönen Sommer, und bleiben Sie kritisch und neugierig!

Mit besten Grüßen
Ute Wurmstich

 

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