Von Aufbereitung bis Management: viel Neues in Biel

 

18. Schweizerische Fachtagung über die Sterilisation, 22. – 23. Juni 2022, Biel, Schweiz
Zusammengefasst von Stefan Dudzinski-Lange

Nach langer Zeit traf sich an gewohnter Stelle im Kongresszentrum Biel die Fachwelt zur 18. Schweizerischen Fachtagung über die Sterilisation. Die früheren Besucherzahlen wurden zwar nicht erreicht, doch tat dies der Wiedersehensfreude keinen Abbruch. Auch das fachliche Programm hatte enorm viel zu bieten.

 

Den fachlichen Auftakt bildeten die Neuerungen der Schweizerischen Guten Praxis zur Aufbereitung (GPA). Rafael Moreno von Swissmedic stellte in zwei aufeinander folgenden Vorträgen die Veränderungen der GPA mit der in diesem Jahr erschienenen Fassung vor. Angepasst wurden nahezu alle Bereiche der GPA, etwa Rückverfolgbarkeit, Ressourcen, Qualifikation des Personals etc. Auch hier stehen nicht die Ergänzungen von Regelungen im Vordergrund, sondern vielmehr die Konkretisierung.

Wie sich die „Schweizer Leitfäden im Zusammenhang mit der GPA 2022“ verändern, machte Frédy Cavin, SGSV, deutlich. Durch Anpassung der GPA wurden viele Anforderungen konkreter. In einigen, bestehende Leitlinien würden sich Details der Konkretisierungen bereits wiederfinden, etwa in der „Checkliste für Inspektion von Aufbereitungseinheiten für Medizinprodukte (AEMP)“. Leitlinien wie die „Schweizerische Leitlinie für die Validierung und Routineüberwachung von Reinigungs- und Desinfektionsprozessen für Medizinprodukte“ brauchen dagegen in Teilen eine Neufassung.

Am ersten Tag stand auch die Aufbereitung von Endoskopen auf dem Programm. Mit seinem Vortrag „Die Aufbereitung der flexiblen Endoskope im Jahre 2022“ unternahm Frank Bieger vom Universitätsspital Zürich eine Reise in die Geschichte der Aufbereitung und zeigte, welche Entwicklung das Thema genommen hat. Aber auch, wenn im Jahr 2022 die Aufbereitung moderner ist, seien die Gefahren nicht weniger geworden.

Christoph Leutwyler, Olympus Schweiz AG, und Holger Stiegler, Medtechnic GmbH, gingen ebenfalls auf die Geschichte ein. Sie beschrieben die Entwicklung der Prüfanschmutzung und der Prozess-Indikatoren bis hin zur Flow-Control. In der Realität sei aber zum Beispiel jede zweite Flow-Control manipuliert (Grenzwerte erweitert) oder ausgeschaltet! Das führte beide Vortragende zu ihrem Appell, den Aufbereitungsprozess von Endoskopen stets weiter zu optimieren.

Wie die Armee für die Versorgung im Feld die mobile Aufbereitung modernisiert hat, berichtete Christophe Grange in seinem Vortrag „Mobiles Sterilisationssystem 2020“. Die Container entsprechen weitestgehend den zivilen Anforderungen. Daher könne das System grundsätzlich auch für Kliniken genutzt werden, die beispielsweise ihre AEMP umbauen.

Nach der ordentlichen Mitgliederversammlung startete der zweite Tag mit dem Thema der Organisationsentwicklung. Nicole Berset von SterInnov Sàrl stellte in ihrem Vortrag „Unsicherheitsmanagement und -steuerung, auf dem Weg zur Resilienz“ heraus, wie AEMPs krisenfest werden können. Beispiele für Risiken im Betriebsablauf gibt es viele, zum Beispiel Überschwemmungen, Strom- oder Anlagenausfälle. Die Autorin plädierte dafür, durch eine Risikoanalyse und einen Business-Continuity-Plan (BCP) Risiken zu managen.

Einen Blick in ein belgisches Steri-Team lieferte Isabelle de la Charlerie von der Association des infirmiers de stérilisation belges francophones (ASTER). Ihr Vortrag beschäftigte sich mit dem Spannungsverhältnis: „Sterilisationsmanager und -mitarbeitender, zwei Visionen – ein Ziel?“ Im Fazit ging sie darauf ein, welche Kompetenzen das Management und die Mitarbeitenden brauchen. Die Mitarbeitenden sollen zum Beispiel unter Druck arbeiten können, eine positive Einstellung haben und methodische Kompetenzen aufbauen, Verantwortung, Urteils- und Entscheidungsvermögen, Feedback-Akzeptanz und Analysefähigkeit forderte Isabelle de la Charlerie dagegen vom Management.



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„Antizipierung von Bedürfnissen für chirurgische Notfälle: Notwendigkeit oder Zwang?“, dieser Frage ging Ingrid Jullian Desayes vom Centre Hospitalier Métropole Savoie in Chambéry nach. Kern des Vortrags war ein Plädoyer für die Einführung von Notfall-OP-Packs, um im Notfall schnell reagieren zu können. Der Erfolg dieser Maßnahmen hängt von verschiedenen Kriterien ab. So braucht die Ausarbeitung einer Liste der benötigten Notfallsets und die Festlegung des Vorgehens die Koordination aller Beteiligten. Häufig würde dieser Schritt in den AEMPs nicht gemacht.

Maria-Theresia Linner von der Deutschen Gesellschaft für Sterilgutversorgung e.V. (DGSV) erklärte, dass Keime vor allem auch durch Menschen übertragen werden können. Bis zu eine Millionen Hautschuppen verliere jeder Mensch täglich. Ihr Credo hieß daher, dass eine gute Aufbereitung ohne Hygiene nicht möglich ist. Das erfordere die „Kontrolle der Umgebungsbedingungen in einer AEMP – Erfahrungen und Empfehlungen“

Mit der „Empfehlung des Fachausschusses Hygiene, Bau und Technik“ zeigt Adelheid Jones, ebenfalls DGSV, welche Anforderungen beim Bau und auch beim Umbau einer AEMP bestehen. Da die AEMPs heute hochtechnisierte Arbeitsbereiche sind, reichen diese von einer detaillierten Planung der technischen Gebäudeausstattung (Druckluft, Wasseraufbereitung, Dampf, Dosiersysteme, Abwasser etc.) bis zur Anordnung der Räume (neben unrein/rein auch Umkleide, Büros, Lager, Entsorgung etc.).

Ob 3D-gedruckte Implantate in Zukunft die Regel sind, bleibt abzuwarten. Allerdings gibt es bereits vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Im Vortrag „Maßgeschneiderte Sterilisation von MP aus dem 3D-Drucker und Sterilisation in der Gesundheitseinrichtung“ beschrieb Hervé Pidoux, welche Erfahrungen das CHU Besançon vor allem in Bezug auf die Sterilisation gemacht hat und welche Implikationen entstanden. Auf Basis von Daten aus bildgebenden Verfahren erstellt die Klinik Sonderanfertigungen wie Zahnschienen aus dem 3D-Drucker. Die Befolgung der geltenden Verordnungen ist mit hohen Anforderungen verbunden. Es brauche unter anderen eine institutionell validierte Organisationseinheit, eigene Räumlichkeiten, die Validierung des Druckprozesses und ein Risikomanagement.

Mit der Optimierung der Rückverfolgbarkeit beschäftigte sich Danièle Marques von der Clinique Générale Beaulieu in Genf. Mit seinem Vortrag „Eine Vision definieren und Verbesserungen sowie Umstrukturierung wagen“ beschrieb er die Neustrukturierung der Datenverwaltung. Wurden vor der Einführung einer neuen Software die Aufenthaltsorte der Sterilgut-Sets in Exceltabellen geführt, konnten die bestehenden Probleme und Lücken durch das eingeführte Tool und durch die Umstrukturierung der AEMP deutlich verbessert werden.

Im kommenden Jahr feiert die SGSV ihr 40-jähriges Bestehen. Der Jubiläumskongress ein findet vom 21. bis 22. Juni 2023 wieder im schweizerischen Biel statt.

Einen ausführlichen Bericht mit weiteren Vorträgen lesen Sie ab August in Ausgabe 4/2022 der Zentralsterilisation.

 

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