2. Wund-D.A.CH. Kongress 2017 in St. Gallen, Schweiz

Die Referentinnen des Workshops „pädiatrische Wundbehandlung“ Agnes Schieger und Anna-Barbara Schlüer zeigten eindrücklich die spezifischen Anforderungen der Wundbehandlung bei Kindern. Kleine Kinder, insbesondere Babys, haben im Verhältnis zu ihrem Gewicht eine viel größere Hautoberfläche als Erwachsene. Zudem verlieren sie mehr Flüssigkeit als Erwachsene über die Haut. Demgegenüber aber resorbiert Kinderhaut einzelne Inhaltsstoffe stärker als reife Haut. Wundheilungsprozesse laufen sehr vital ab. Somit ist auch nachvollziehbar, dass bei der Wahl von Wundverbandmaterialien für Kinder spezifische Kriterien gelten. In den vorgestellten Beispielen konnten die Zuhörenden beispielsweise die Wet-Wrap-Therapie bei atopischen Ekzemen kennenlernen. Oder sie erfuhren, dass bei Verbrühungen im Kindesalter keine gemeshten Hauttransplantate aufgelegt werden. Das Wachstum der Haut im Kindesalter muss in das Behandlungskonzept bei Kindern speziell beachtet werden. Nicht nur ästhetische, sondern auch funktional optimale Ergebnisse müssen in Bezug auf die Narbenbildung sorgfältig geplant werden.

Am Freitag begann der Kongress vormittags offiziell mit einer Begrüßung durch den Kongresspräsident Dr. Severin Läuchli. Er freute sich, dass von den rund 800 Teilnehmern mit 447 mehr als die Hälfte aus der Schweiz kamen und gab einen Überblick über den Kongressablauf. Läuchli hob einige Projekte des WundD.A.CH hervor, den Leitfaden Kompressionstherapie, die Patientenbroschüre „offenes Bein“ und die Broschüre Hygiene in der Wundbehandlung, die von einem, die von einem 18-köpfigen Sachverständigenbeirat aus den drei Ländern erstellt worden war. 

Faszination Wundbehandlung

Die Kongressverantwortlichen von Wund-D.A.CH. folgten der Tradition der EWMA, bei der Eröffnungsveranstaltung eine herausragende Persönlichkeit der „Wundwelt“ mit einem Festvortrag zu ehren. In St. Gallen war dies Herr Prof. Dr. med. Wim Fleischmann, aus Ludwigsburg-Bietigheim – ein, wie er selbst ausführte, Querdenker und Hinterfrager. Von Haus aus Wiederherstellungs-Chirurg, wirkte er bei der Gründung der Deutschen Gesellschaft für Wundheilung und -behandlung (DGfW) mit und war lange Zeit deren Vizepräsident.

Wim Fleischmann versteht sich als Vordenker in der Biochirurgie und -therapie. Er führte beispielsweise die Madentherapie mit steril aufgezogenen Maden der Goldfliege Lucilia sericata in Deutschland als etablierte Therapie ein, nachdem er erste positive Therapieerfahrungen mit selbst aus England importierten Larven gemacht hatte.
Sehr eindrücklich ging Fleischmann auf die Entwicklung der heute nicht mehr aus den Therapiekonzepten wegzudenkenden Unterdrucktherapie (NPWT) ein. Auch hier hat er entscheidend an der Entwicklung mitgearbeitet und hält noch zahlreiche Patente.
Ein weiteres, bei uns noch wenig verbreitetes Konzept, ist das von ihm entwickelte „Skin-Stretching“. Hierbei sind Vorrichtungselemente zum Dehnen der Haut, speziell zum Verschließen einer Wunde, in der Haut verankert. Am Ende seines kurzweiligen und interessanten Vortrages appellierte er an die Zuhörer, Erfindergeist zu zeigen und  igenständiges Denken zu bewahren. Er betonte jedoch, dass man häufig einen langen Atem benötigt, da Innovationen oft einen langen Weg in die breite Praxis benötigen. Das Bonmot von Wim Fleischmann wird sicher vielen in Erinnerung bleiben: „Obwohl zum Beispiel der Paradigmenwechsel feuchtes Wund-Milieu mittels okklusiver Wundbehandlung eigentlich bereits in den frühen 90er Jahren des letzten Jahrhunderts stattfand, verbreitet sich das Licht der Erkenntnis nicht mit Lichtgeschwindigkeit unter den Professionellen und wird zudem teilweise durch gesetzliche Vorgaben verhindert.“

[...]

Bericht als Gesamt-PDF: WundDACH-WM-062017

Den gesamten Artikel lesen Sie in WundManagement Ausgabe 06/2017 

Bitte geben Sie die Zeichenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Passende Artikel
Wundmanagement 06/2017
Ausgabe 06/2017 
Wundmanagement 06/2017
14,00 €