Seltene Ursachen chronischer Wunden

Hintergrund 

Unabhängig von der o.g. zeitlich orientierten Definition gibt es Wunden, die von Beginn an als chronisch anzusehen sind, da Ihre Behandlung eine Therapie der weiterhin bestehenden Ursache erfordert. Hierzu gehören beispielsweise das diabetische Fußulkus, Wunden bei pAVK, Ulcus cruris venosum oder Dekubitus. Diese vier Wundtypen stellen mit mindestens 80 % auch den größten Teil aller in Deutschland diagnostizierten chronischen Wunden dar. Gerade in spezialisierten Wundinstitutionen stellen sich aber auch regelmäßig Patienten vor, bei denen trotz scheinbar optimierter Behandlung keine vollständige Wundheilung erzielt werden konnte. Gerade bei diesen als therapierefraktär oder als „hard-to-heal“ bezeichneten Wundverläufen muss die bislang propagierte Genese erneut in Frage gestellt werden und auch seltene Ursachen in die differentialdiagnostischen Überlegungen einbezogen werden. 

 

Diagnostik chronischer Wunden 

Auch wenn durch die gezielte Anamnese, die subjektiven Beschwerden und den klinischen Befundes kann oft schon eine Verdachtsdiagnose hinsichtlich der Genese der Wunde gestellt werden kann, ist es bei allen Patienten mit chronischen Wunden unbedingt erforderlich, eine adäquate Diagnostik durchzuführen. Die strukturierte Diagnostik chronischer Wunden kann sich dann an der ABCDE-Regel orientieren. 

Die Anamnese (A) sollte immer der erste Schritt in der Diagnostik sein. Hier werden Patienten u. a. sowohl zu der aktuellen Wunde als auch zu Wunden in der Vergangenheit sowie Komorbiditäten befragt. 

Bakterien (B) können in seltenen Fällen die alleinige Ursache chronischer Wunden sein. Oberflächlich entnommene bakteriologische Abstriche werden allerdings meist für Screening-Untersuchungen, insbesondere für den Nachweis von multiresistenten Erregern wie z. B. Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA) oder bei V. a. Wundinfektionen entnommen. 

Bei der klinischen Untersuchung (C) sollten sowohl die anatomische Lokalisation der Wunden als auch der Wundrand sowie die Wundumgebung untersucht werden, da hier wichtige Hinweise auf die zugrundeliegenden Ursachen und Komplikationen gefunden werden können. 

Für die Klärung der Durchblutungssituation (D) sollten sowohl das venöse als auch das arterielle Gefäßsystem untersucht werden. Extras (E) in der Diagnostik sind immer dann erforderlich, wenn mit der Basisdiagnostik die Genese der Wunden nicht eindeutig geklärt werden konnte. Hier existieren zahlreiche weiterführende Diagnostikverfahren, die zielgerichtet eingesetzt werden sollten. Die größte klinische Bedeutung hat hier die Biopsie. Darüber hinaus ist zu beachten, dass es auch viele relevante Kofaktoren und Komorbiditäten wie beispielsweise Adipositas, Diabetes mellitus, hämatologische Erkrankungen, Ekzeme, (Lymph-) Ödeme oder arterieller Hypertonus gibt, die eine Wunde nur selten verursachen, jedoch für den therapierefraktären Verlauf von entscheidender Bedeutung sein können. [...]

Hier können Sie sich den vollständigen Artikle als PDF herunterladen: WM-01-2018-Seltene-Ursachen-chronischer-Wunden (PDF, 532 KB) 

Autor: Joachim Dissemond 

Zitierhilfe: 

Dissemond, Joachim: "Seltene Ursachen chronischer Wunden" In: WUNDmanagement, 12. Jahrgang, Ausgabe 01/2018, S. 29-31, mhp Verlag, Wiesbaden

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