Expertenumfrage: Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden in Zeiten der Pandemie im D-A-CH-Raum 2020

© iStock.com/Daniel Balakov

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Versorgungsrealitäten im Wundmanagement aus den Bereichen Uniklinik, Klinik, Wundzentrum, ambulante Pflege, Rehaklinik und pflegerischem Wundzentrum

Es sind zweifellos außergewöhnliche Lebensumstände für so gut wie alle Menschen auf der Welt. Eine gesundheitsbedrohliche Krise dieses Ausmaßes hat es noch nie gegeben. Das SARS-CoV-2-Virus macht keinen Unterschied zwischen arm und reich und kennt auch keine Ländergrenzen. Da niemand auf Erfahrung im Zusammenhang mit dem neuen Virus zurückgreifen kann, sind Wissenschaftler und Mediziner gefragter denn je. Die Suche nach dem besten Konzept ist weltweit zu beobachten. Alle Vorgehensweisen werden evaluiert und Lösungsansätze entwickelt. Dieses Lernen voneinander ist länder-, einrichtungs- und berufsgruppenübergreifend zu erleben. Ein gutes Miteinander, der Abbau von Hierarchien und das Teilen von Erkenntnissen sind positive Aspekte der momentanen Lage. Politiker interessieren sich für die Situation der Pflegenden. Hilfsbedürftige, Alte und Kranke werden in den Fokus gestellt. Aber es gibt auch eine Kehrseite: Kranke werden nicht operiert, wenn es sich um elektive Eingriffe handelt. Andere wiederum scheuen den Gang in die Arztpraxis aus Sorge vor Ansteckung.

Dr.  Ralf  Weise,  Ärztlicher  Direktor des St.-Marien-Hospital Friesoythe, hat hierzu  einen  Leserbrief  in  der  Lokalpresse veröffentlicht:

Seit  Wochen  rüstet  sich  das  Gesundheitssystem in Deutschland für eine optimale  Versorgung  von  am  Corona-Virus erkrankten  Menschen  (COVID-19)  auf. Um  Personal,  Räume  und  Material  für den Ansturm jederzeit zur Verfügung zu halten  sowie  die  Ansteckungsgefahr  für Patienten und Personal in medizinischen Einrichtungen  zu  reduzieren,  wurde  die Grundversorgung  in  allen  Krankenhäusern  auf  die  Versorgung  von  Erkrankun- gen,  die  nicht  auf  später  zu  verschieben sind, reduziert.

Jetzt zeigt sich aber, dass auch die Versorgung von Notfällen, Herzinfarkten,  Krebserkrankungen  und  ähnlichen  Leiden  deutlich  unter  dem  Normalaufkommen  liegt.  Eine  verschleppte Behandlung  eines  Herzinfarktes,  eines Schlaganfalles  oder  Krebsleidens  kann verheerende Folgen haben und sollte auch in „Corona-Zeiten“ rasch fachkundig untersucht und behandelt werden. Darüber hinaus  kann  eine  zeitnahe  Versorgung nach Lockerung der o. g. Einschränkungen nicht  immer  gewährleistet  werden,  da alle  medizinischen  Einrichtungen  in  den nächsten  Monaten  auch  die  Behandlung der seit Wochen verschobenen Eingriffe unterbringen  müssen.  Vereinzelt  kam  es schon zu katastrophalen Verläufen.

Die  Versorgung  von  Menschen  mit chronischen  Wunden  leidet  ebenfalls unter der momentanen Lage. Kommen Wundpatienten zu kurz? Diese Befürchtung  und  Erfahrung  macht  auch  Dr. Weise: Auch  die  Versorgung  der  chronischen Wunden stellt zurzeit eine große Herausforderung dar. Wir werden eigentlich nur konsultiert,  wenn  Hausarzt  und  häusliche  Pflege  nicht  weiterwissen.  Wenn  das jetzt ausbleibt, eskaliert die eine oder andere Wunde, und wir sehen dann Katastrophen, die manchmal nur noch zu amputieren sind. Um das zu vermeiden, haben  wir  ja  eigentlich  seit  Jahren  an  dem Thema  der  professionellen  Versorgung von  Patienten  mit  chronischen  Wunden  gearbeitet.

 


Wundbehandlung erfordert neben fachlicher, kommunikativer  und  interaktiver  Kompetenz  auch  körperlichen Einsatz und zwangsläufige Nähe. Letztere  ist  in  Zeiten  einer  Pandemie  ein hohes Risiko für Behandler und Patienten.  Wie  lösen  die  Experten  das  Problem?  Was  können  wir  daraus  lernen? Anhand von sechs Fragen an fünf Wundexperten  wird  nachfolgend  die  Versorgungssituation in verschiedenen Einrichtungen vorgestellt.


Die Experten

Norbert Kolbig, Pflegerische Leitung im Wundmanagement, Universitätsklinikum Düsseldorf

Martin Motzkus, Pflegerische Leitung im Wundmanagement, Evangelisches Krankenhaus Mülheim

Anke Bültemann, Pflegerische Leitung im Wundmanagement, Wundzentrum Asklepios Klinikum Harburg

Georg Koenig, Inhaber eines ambulanten Pflegedienstes, Diedorf

Sabine Grund, Wundmanagement, Rehaklinik Bad Brambach

Inga Hoffmann-Tischner, Inhaberin eines pflegerisches Wundzentrums, Köln

Peter Kurz, Inhaber eines spezialisierten Pflegedienstes für Wundmanagement, Bad Pirawarth, Österreich

Dr. Markus Duft, Facharzt Chirurgie, Krankenhaus Göttlicher Heiland, Wien, Österreich

Dr. Ulf Benecke, Klinikleiter, Angiologie, Kantonsspital St. Gallen, Schweiz Elisabeth Kohler-von Siebenthal, MAS in Wound Care, Spitex Interlaken und Umgebung, Schweiz

Patrick Bindschedler, zert. Wundmanager, ZWM, Wundpraxis Aarau, Schweiz

 
Lesen Sie hier die gesamte Experten-Umfrage

>> Ein Jahr ist vergangen, auch 2021 bestimmt COVID-19 noch immer unser Leben und die Gesundsversorgung von so vielen. Wir haben erneut Experten zur aktuellen Situation befragt. Hier geht´s zur Experten-Umfrage 2021.

 

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