Praktisches Wundmanagement für Medizinstudierende – Entwicklung eines Video-gestützten Onlinekurses

Hintergrund

Im Studium der Humanmedizin wird das Thema Wundmanagement zu selten und meistens unstrukturiert besprochen [1]. In den chirurgischen Fächern ist die Versorgung von Patienten mit chronischen Wunden oft nur eine Randnotiz und praktische Aspekte werden allenfalls vermittelt, wenn sich ein Studierender explizit für eine Famulatur in entsprechenden Fachdisziplinen entscheidet. In der Dermatologie werden zwar Grundlagen zu Haut- und Gefäßerkrankungen vermittelt, die sich mit dem Symptom eines Ulkus äußern können; auf die spezifische Wundtherapie, Wundinfektion, Lokaltherapie und kausaltherapeutische Maßnahmen kann aufgrund der Stofffülle aber meist auch nur knapp eingegangen werden.

Eine Befragung unter Studierenden im 8. Semester an der Medizinischen Fakultät der Universität Erlangen zeigte, dass hier durchaus ein Interesse an der Thematik besteht und dass sich die Studierenden neben der Vermittlung von Fakten in der Vorlesung, auch praktische Übungen mit Patientenvorstellungen wünschen [2]. Da in einem Semester bis zu 180 Studierende ausgebildet werden, sind Patientenvorstellungen oft nur schwierig umzusetzen.

 

Lernmodul Wundmanagement

Wir entschieden uns daher für die Entwicklung eines Online Lernmoduls zum Thema Wundmanagement. Dies bietet uns mehrere Vorteile: da alle Studierenden eines Semesters Zugriff auf die Online-Lernplattform der Friedrich-­Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg haben, ist hier eine individuelle Bearbeitung im eigenen Arbeitsrhythmus für alle Studierenden möglich. Das auf Basis des Open Source Lernmanagement-Systems ILIAS entwickelte Modul ist dabei ähnlich einer Fallvorstellung aufgebaut und die Studierenden werden in die Rolle des Hausarztes/der Hausärztin versetzt.

In diesem fiktiven Fallbeispiel stellt sich eine ältere Dame mit einer seit mehreren Wochen am Unterschenkel bestehenden Wunde in der Hausarztpraxis vor. In der Lerneinheit werden einzelne Kapitel angelegt, die die Lernenden von der Fallvorstellung über die Anamnese, körperliche Untersuchung und multidisziplinäre Diagnostik zur zielgerichteten Therapie führen. In jedem Kapitel werden Aufgaben erstellt, in denen die Lernenden in der Rolle der Hausärztin/ des Hausarztes Entscheidungen für die weitere Versorgung der Patientin treffen können. Zu allen Aufgaben werden Musterlösungen zur anschließenden Selbstkontrolle bereitgestellt.

Abbildung 1 zeigt die Aufgabe zur Wundbeschreibung. Die Studierenden können ihre eigene Lösung eingeben und durch Einreichen Zugriff auf eine Musterlösung erhalten. Zusätzlich werden in den einzelnen Kapiteln Informationsbausteine eingefügt, die die wichtigsten relevanten Hintergrundinformationen zum jeweiligen Kapitel vermitteln. Mit Lehrvideos zu Themen wie Messung des Knöchel-Arm-Index oder Anlage eines Kompressionsverbandes kann der praktische Aspekt der Lern­einheit noch intensiviert werden. Die Gesamtbearbeitungszeit für den Kurs beträgt zwischen 30 und 45 Minuten.
 

Kursbegleitende Materialien

Begleitend wird der Kurs ebenfalls über einen Online-Fragebogen evaluiert. Hierbei werden die Akzeptanz, die Motivation und der subjektive Lernerfolg abgefragt. Zudem erfolgt vor und nach Bearbeitung des Kurses eine Selbsteinschätzung der Studierenden zu praktischen Maßnahmen am Wundpatienten wie Kompressionsverband oder KADI-­Messung. 

Evaluation

In einer ersten Auswertung zeigte sich, dass der Kurs sehr gut von den Studierenden angenommen und als sehr gut bewertet wird. Insbesondere die praxisnahe Darstellung als Fallbeispiel findet großen Anklang und hilft, die in der Vorlesung vermittelten theoretischen Inhalte auch praktisch anzuwenden.

Es existieren sowohl für Ärzte und Ärztinnen als auch für Mitarbeiter der Gesundheitsberufe bereits strukturierte Ausbildungskonzepte („Wundexperte ICW“). Um junge ärztliche Kolleginnen und Kollegen aber für die Thematik zu interessieren und zu sensibilisieren, fehlen bislang noch edukative Strukturen. Mit dem entwickelten Onlinemodul haben wir die Möglichkeit, viele Studierende gleichzeitig zu erreichen und vielleicht erstmals im Studium auf die Probleme von Patienten mit chronischen Wunden aufmerksam zu machen. Die für den Kurs erstellten Materialien wie z. B. die Lehrvideos können auch in anderen Formaten eingesetzt werden.

Unverzichtbar bleibt sicherlich der direkte Patientenkontakt und die praktische Ausbildung am Patientenbett. Zur Vor- oder Nachbereitung bietet das Lernmodul aber sehr gute Möglichkeiten.

Der Kurs ist jetzt fester Bestandteil der dermatologischen Lehre der Universität Erlangen. In einem nächsten Schritt soll der Kurs als Open Educational Ressource (OER) auch anderen medizinischen Lehreinrichtungen zur Verfügung gestellt werden. Das Ziel ist, ihn zusammen mit anderen Universitäten und medizinischen Ausbildungsstätten zu erweitern und die Inhalte an verschiedene Zielgruppen anzupassen. Auf diese Weise soll das E-Learning Angebot möglichst vielen Wundinteressierten zur Aus- und Weiterbildung zur Verfügung gestellt werden.

 

Literatur

1.
Patel NP, Granick MS: American Medical Students are inadequately trained in wound care. Ann Plast Surg 2007; 59(1): 53–55.

2.
Bergendahl L, Werner F, Schmidt A, Ronicke M, Renner R, Erfurt-Berge C: Modernes Wundmanagement als Inhalt eines interprofessionellen Lernkonzeptes. JDDG 2020 submitted.

Cand. med. Mischa Schlupeck,
Dr. med. Cornelia Erfurt-Berge*

Hautklinik Universitätsklinikum Erlangen,

E-Mail: Cornelia.Erfurt-Berge@uk-erlangen.de

Birgit Stubner, M. A.

Referat für Mediendidaktik und E-Learning, 
FAU Erlangen-Nürnberg

 

Bildquelle: Autoren

EA-WM-NL-Banner-online

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