UV-Strahlung in der Wundbehandlung

© Wunde links im Normallicht und rechts unter UV-Licht. Die Bakterien, hier wahrscheinlich Pseudomonaden, leuchten cyanfarben und verstärkt am Rand der Wunde.

© Wunde links im Normallicht und rechts unter UV-Licht. Die Bakterien, hier wahrscheinlich Pseudomonaden, leuchten cyanfarben und verstärkt am Rand der Wunde.

von PD Dr. med. Gunnar Riepe („Dr. Gadget“)

 

Einleitung

UV-Strahlung kennen wir alle der Sonnenstrahlung oder dem Sonnenstudio. Rein physikalisch handelt es sich bei der Ultraviolettstrahlung, kurz UV, UV-Strahlung, UV-Licht oder Schwarzlicht um eine elektromagnetische Strahlung im optischen Frequenzbereich (ca. 100–400 nm), die aber für das menschliche Auge mehr nicht sichtbar ist, da Violett der Farbreiz der kürzesten noch sichtbaren Wellenlänge ist.

Es gibt die UV-A, UV-B und UV-CStrahlung. UV-A-Strahlung hat eine geringe Eindringtiefe in die Haut und bewirkt kurzfristige Bräunung mit relativ wenig Schädigung. UV-B Strahlung ist hochenergetischer und damit schädigender als UV-A-Strahlung. UV-CStrahlung ist noch energetischer, gelangt aber nicht bis zur Erdoberfläche, es findet eine Absorption durch die obersten Luftschichten der Erdatmosphäre statt, selbst im Bereich des Ozonlochs.
Man kennt UV-Licht auch aus Diskotheken als sog. Schwarzlicht (UV-A). Hier werden fluoreszierende Anteile der Kleidung sichtbar gemacht und leuchten grell weiß-lila.

Fluoreszierende Bakterien

Manche Bakterienarten können fluoreszierenden Stoffe herstellen, die bei entsprechender Anregung mit UV-Strahlung in verschiedenen Farben leuchten. Das Pyocyanin kommt bei gram-negativen Bakterien vor und leuchtet blau. Porphyrin kommt z. B. bei Staphylococcus aureus vor und leuchtet rot und Pyoverdin kommt bei bestimmten Pseudomonas-Arten vor und leuchtet metallisch-grün.
Speziell bei der Biofilmbildung, die in drei Phasen verläuft (Induktionsphase, Akkumulationsphase und Existenzphase), kommunizieren die Bakterien über das sog. Quorum sensing auch über diese fluoreszieenden Botenstoffe miteinander (vorwiegend in der dritten Phase).

 

Sichtbarkeit von Bakterien in Wunden

Man kann also mit UV-Licht fluoreszierende Bakterien in Wunden sichtbarmachen. In der Dermatlogie ist dies schon lange als Wood´s Lamp bekannt [1]. Das Prinzip hat sich die Firma Smith & Nephew zunutze gemacht und ein spezielles System aus Lampe und Kamera entwickelt. Das MolecuLight-System regt mit 405 nm Licht die Fluoreszenz an. Mit der Lampen/Kamerakombination können so Bakterien auf der Wunde in Echtzeit dargestellt werden. Das System ist jedoch ist mit rund 9.000 EUR im höheren Preissegment angesiedelt.

Alternativ kann man auch versuchen andere UV-Lampen zur Sichtbarmachung der Bakterien zu verwenden (Abb. 1). Auch diese können im abgedunkelten Raum Bakterienfarbstoffe anzeigen. Man sollte jedoch hier starke Lampen verwenden (Abb. 2). Schwächere UV-Lampen, wie sie z. B. in Geschäften zur Prüfung von Geldscheinen verwendet werden, sind für Wunduntersuchungen in oft nicht vollständig abgedunkelten Raum nicht geeignet. UV Taschenlampen sind erhältlich im Internet oder in Geschäften, die Jagd und Sportwaffen und Zubehör verkaufen.

 

Verwendung und Nutzen

Und was hat man nun davon? Zunächst muss klargestellt werden, dass das Betrachten von Wunden in dunklen Raum keinen Abstrich oder eine chirurgische Mikrobiologie ersetzt. Es ergeben sich aber für mich folgende Nutzen:

  • Die Verteilung der fluoreszierenden Substanzen ist interessant. Zumeist finden sich cyanfarben leuchtende Areale an den Wundrändern, etwa wie Küstenstädte am Meer. Gerade diese Region wird oft beim Abstrich vernachlässigt (s. Abb. 3).

  • Beim Debridement, sei es mechanisch oder chirurgisch, ist man bei der Kontrolle mit UV-Licht überrascht wieviel Floureszenz noch auf der optisch sauberen Wunde zu sehen ist. Das erinnert an die roten Tabletten mit der Mütter früher Kinder nach dem Zähneputzen kontrollierten.

  • Patienten nehmen die für sie andersartige, gründliche Betrachtung ihrer Wunde durchweg positiv auf. Die so erkennbar gemachten Biofilme, erhöhen Adhärenz und die Bereitschaft zur antiseptischen Therapie oder gar zum Debridement

 

Wundfolien leichter ablösbar unter UV-Licht

Ein weiteres neues Einsatzgebiet des UV-Lichtes bei der Versorgung von chronischen Wunden ist eine spezielle Folie (Lumina switch, Abb. 4). Diese Folie haftet sehr gut auf der Haut und kann bei Beleuchtung mit UV-Licht wieder leicht und schmerzfrei entfernt werden kann. Das ist interessant für Patienten, die empfindliche Haut haben oder sehr schmerzempfindlich sind. Preise sind mir nicht bekannt. 

 

WUND_letter_Werbung_Flyer_gross
 

Literatur

[1] Caplan RM: Medical uses of the Wood’s lamp. JAMA 1967; Bd. 202: 123–126.

 

Der Beitrag ist erstmals in WUNDmanagement 4.2020 erschienen.

 

++ Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Was bringen neue Ansätze für die Wundversorgung? ++

Bitte geben Sie die Zeichenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Passende Artikel