Awareness-Kampagnen im Bereich Chronische Wunden

ein Kommentar von Martin Motzkus

 Erreichen Awareness-Kampagnen ihr Ziel?

Awareness-Kampagnen schaffen also Aufmerksamkeit, fraglich ist aber wohl, ob die eigentlichen Empfänger der Botschaften erreicht werden. Vermutlich ist es schwierig, das zu ermitteln.

Andererseits gibt es mutmachende Beispiele, wie die seit Jahren laufenden Kampagnen der WHO gegen das Rauchen. Allein in Deutschland ist ein beständiger, rückläufiger Trend beim Rauchen zu beobachten. So wird seit dem Jahr 2000 bis 2025 ein Rückgang von fast 25% prognostiziert. Bei Jugendlichen (12–17 Jahre) sank der Anteil der Raucher in den letzten 15 Jahren bereits von 27,5 auf 7,4 % [1].


Awareness-Kampagnen im Bereich chronischer Wunden

Wie sieht es aber mit Kampagnen im Bereich der chronischen Wunden aus?
Immerhin steht der weltweite Antidekubitustag (Stop Pressure Ulcer Day) vor der Türe. Dieser findet jährlich an jedem dritten Donnerstag im November statt. Am 17.11.22 werden weltweit Aktionen gestartet, welche die Aufmerksamkeit von Personal in Gesundheitseinrichtungen und auch von Angehörigen und Betroffenen auf dieses wichtige Thema lenken sollen.

Das EPUAP (European Pressure Ulcer Advisory Panel) lädt jedenfalls zu Aktionen ein. Unterstützende Videos in vielen Sprachen (Auch auf deutsch) sowie kostenlose Medien zur Gestaltung einer eigenen Aktion stehen zum Download bereit [2]. Viele Aktionen werden auch auf der Webseite gepostet, bzw. können nach der Veranstaltung zur Veröffentlichung an die Geschäftsstelle des EPUAP gesendet werden.

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Aktionen der Initiative Chronische Wunden

Auch seitens der ICW wird es dezentral organisierte Aktionen geben, so etwa das Treffen der Regionalgruppe Leipzig zum Thema Ernährung und Dekubitusrisiko [3] oder eine Fortbildungsveranstaltung des Wundmanagement Köln mit dem Schwerpunkt Hautschutz und -pflege [4]. Insgesamt scheint es in diesem Jahr weniger Aktivitäten zu geben als in den vergangenen Jahren. Möglicherweise spielen Arbeitsverdichtung und Personalnot eine Rolle, so zumindest das Ergebnis einer ICW-internen Umfrage.

Frühere Aktionen fanden allerdings viel Zuspruch, so etwa die Online-Veranstaltung aus dem vergangenen Jahr, als die mehrere Regionalgruppen ein virtuelles Dekubitus-Update veranstalteten. Dazu gab es Kurz-Vorträge und Fallvorstellungen zum Thema. Hierzu auch einmal der Blick in das Archiv der Zeitschrift WUNDmanagement.

Ein weiterer Awareness-Tag ist der ICW-eigene Chronic Wounds Awareness Day (CWAD), der dieses Jahr aus der Taufe gehoben wurde. Hier geht es eher allgemein darum, Menschen mit chronischen Wunden aus der Anonymität zu helfen und auf regionale Angebote aufmerksam zu machen. Die Initiative Chronische Wunden (ICW) hat den Tag als Initiatorin in diesem Jahr erstmalig veranstaltet. So haben einige Aktionen stattgefunden, die das Themenfeld diabetisches Fußsyndrom betrafen. Jedes Jahr soll der CWAD ein bestimmtes, festgelegtes Thema bekommen, an dem sich alle Veranstaltungen und Aktionen orientieren sollen.

Nächstes Jahr wird das Thema übrigens Ulcus cruris, „Das offene Bein“ heißen. Nachdem am ersten Aktionstag nur einige wenige Akteure teilgenommen haben, gibt es bereits jetzt neue Planungen für das kommende Jahr und die Anzahl der Aktionen wird vermutlich deutlich zunehmen.

Wesentlich größeren Umfang hatte die oben angesprochene Mutpflasterkampagne des Burda-Verlags. Die ICW hatte sich als Partnerin dieser Aktion angeboten, da über die Verbreitung des Themas in Hochglanzmagazinen wie Lisa oder Bunte die Betroffenen leichter zu adressieren sind. Auch wenn die Zahlen des Verlages, die über die Verbreitung der Kampagne Auskunft geben, sehr beeindruckend sind, ist die messbare Resonanz doch hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Tatsächlich hat sich kein Betroffener an die ICW gewendet, nachdem er über die Kampagne gelesen hat und sich explizit darauf bezogen. So haben vermutlich viele Menschen mit chronischen Wunden die Kampagne zur Kenntnis genommen, aber messbar lässt sich kein individueller Nutzen ableiten.

 

Zusammenfassend lässt sich folgendes festhalten: Awareness im eigentlichen Wortsinn ist etwas Wichtiges. Wir sollten mit unseren Bemühungen auch nicht nachlassen, denn das Bewusstsein für das Thema Wunde sollte geschärft werden. Die Anzahl der Betroffenen, die keine professionelle Unterstützung erhalten oder mit althergebrachten, bzw. nicht mehr zeitgemäßen Konzepten versorgt werden, ist hoch. Eine unbekannte Anzahl an Menschen versorgt ihre Wunden mitunter jahrelang selbst und diese könnten mit Kampagnen dazu bewegt werden, sich Hilfe zu holen. Aber auch für die Behandelnden selbst ist Awareness von großer Bedeutung, weil gelenkte Aufmerksamkeit hilft, richtige Entscheidungen zu treffen und Themen ernst zu nehmen. Gerade chronische Wunden und deren Behandlung laufen im Alltag sehr oft „nebenbei“, anstatt in den Fokus der Aufmerksamkeit gestellt zu werden. Nicht umsonst werden diese Wunden als chronisch bezeichnet. Denn Chronifizierung ist auch Ausdruck einer nicht zielgerichteten Behandlung.

 

Quellen:

1.    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/596628/umfrage/anzahl-raucher-in-deutschland/
2.    https://www.epuap.org/stop-pressure-ulcers/
3.    www.icwunden.de/ueber-uns/regionalgruppen/standorte/leipzig/
4.    https://www.wundmanagement-koeln.de/veranstaltungen/

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