Desinfektion von Tastaturen

© iStock.com/shironosov

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Autoren: Johannes Tatzel, Peter Heeg

Frage:

Wann müssen die Tastaturen der PCs (in einer Arztpraxis) desinfiziert werden und womit? Ist die Desinfektion einmal täglich ausreichend? Wenn dies der Fall ist, würde ich gerne wissen, warum dies ausreicht und warum man nicht nach jeder Benutzung  desinfizieren  sollte (ähnlich  wie  bei  der  Händedesinfektion, die nach jedem Patientenkontakt selbstverständlich ist)? Welche  Vorgehensweise würden Sie empfehlen?*

 

 

Antwort:

Jede Form von Bedienfläche wird durch die  Hände  des Bedieners  zwangsläufig zumindest transient bakteriell und viral kontaminiert. Dies gilt in besonderer  Weise  für  Tastatur  und  Maus, die im Fall der Tastatur eine komplexe  Oberfläche  besitzen  und  die  generell aus Gründen der Ergonomie häufig eine raue Oberfläche aufweisen. Neben Staub können sich Zelldetritus und Fett aus Haut oder Hautpflegeprodukten ablagern. Betroffen sind auch andere Formen von Eingabegeräten wie Trackballs oder Touchscreens [1–8].

Relevant wird diese Kontamination jedoch nur, wenn potenziell pathogene Erreger in infektiöser Dosis von diesen Oberflächen auf die Hände des Anwenders  und  von  dort  auf  Patienten  verschleppt werden. Grundsätzlich ist es sinnvoll, eine Risikobewertung durch- zuführen, in welchem Maß das betreffende Gerät eine Rolle bei der Übertragung  von  Krankheitserregern spielen kann und wie ausgeprägt die Infektionsdisposition der Patienten in der Umgebung dieser Geräte ist [9]. Bei optimal durchgeführter hygienischer  Händedesinfektion  kann  von einer  nahezu  vollständigen  Inaktivierung der transienten Hautflora ausgegangen werden.

Die Händedesinfektion unmittelbar nach Patientenkontakt stellt  auch  immer  eine  Händedesinfektion vor Bedienung des Computers dar.  Werden  Schutzhandschuhe  zur Vermeidung  einer  Kontamination  der Hände  verwendet,  müssen  diese  vor Bedienung des Computers ausgezogen und die Hände desinfiziert werden. Das bedeutet, dass „eigentlich“ keine Tastatur kontaminiert sein dürfte. Im Alltag ist eine optimale Umsetzung der Händehygiene aufgrund einer Vielzahl von Faktoren nicht immer gegeben [10–12]. Gerade um die Kontamination häufiger Handkontaktflächen  bzw.  des  patientennahen Umfelds zu vermeiden, muss eine Verbesserung der Compliance erreicht werden. Eine routinemäßige desinfizierende Reinigung von Tastaturen, die im klinischen bzw. medizinischen Umfeld eingesetzt werden, ist a priori als  Teil  eines  Multibarriere-Managements im Sinne der Infektionsprävention  sinnvoll.

Abhängig  von  der  vom Hersteller  festgelegten  Zweckbestimmung  des  Rechners  kann  es  sich  um ein Medizinprodukt handeln. In diesen Fällen muss der Hersteller Informationen bereitstellen, die eine sichere An- wendung  des  Produkts  ermöglichen. Diese Informationen müssen auch Angaben zur Aufbereitung enthalten. Herkömmliche  Tastaturen  können aufgrund  ihres  komplexen  Aufbaus oft  nicht  zuverlässig  desinfiziert  werden. Darüber hinaus können durch das Eindringen von Flüssigkeit Schäden an den Geräten verursacht werden. Im  Handel  sind  mittlerweile  viele verschiedene abwasch- und desinfizierbarer Tastaturen mit und ohne in- tegrierte Touchpads sowie wasserdichte  PC-Mäuse,  die  einer  Wisch-  oder Tauchdesinfektion unterzogen werden können, erhältlich, deren Einsatz in Risikobereichen (z.B. OP, Intensivstation, etc.)  empfohlen  werden  kann.  Einige Tastaturmodelle  besitzen  eine  vollflächig glatte Oberfläche. Dies kann die Zeit, die für eine desinfizierende Reinigung notwendig ist, erheblich reduzieren. Desweiteren gibt es desinfizier- und teilweise  auch  dampfsterilisierbare Tastaturhüllen  für  bestehende  Systeme. Wichtig beim Auswahlprozess des passenden Modells ist, dass auf die Angaben der Hersteller zur Desinfektionsmittelauswahl geachtet wird.

 

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Dabei soll es  sich  um  Flächendesinfektionsmittel handeln, deren Wirksamkeit durch ein VAH-Zertifikat bzw. eine VAH-Listung  bestätigt  ist.  Auch  soll  das  Produkt zumindest begrenzt viruzid sein. In Abhängigkeit von der epidemiologischen Situation (z.B. Noro- oder Rota-virus-Infektionen) kann es notwendig sein, ggf. zeitlich begrenzt ein Produkt mit dem Wirkspektrum begrenzt viruzid plus oder viruzid zu verwenden [4]. Befindet sich die Tastatur (das Gleiche gilt für Zubehörgeräte wie Computermaus)  in  unmittelbarer  Umgebung eines  infektionsgefährdeten  Patienten oder in einem Risikobereich (OP), dann sollte  die  Desinfektion  arbeitstäglich durchgeführt werden [13]. Eine intermittierende  Bestrahlung  von  Computer-Eingabegeräten  mit  ultraviolettem Licht  kann  in  Abhängigkeit  von  den gewählten  Bestrahlungszyklen  zwar die  arbeitstägliche  Wischdesinfektion ersetzen und zu einer erheblichen Reduktion der mikrobiellen Belastung von Tastaturen führen [14], allerdings steht dem ein relativ hoher technischer Aufwand und die weiterhin bestehende Notwenigkeit  zur  Reinigung  in  regelmäßigen Abständen gegenüber. In  jedem  Falle  aber  bleibt  festzuhalten, dass die Desinfektion der Tastatur eine flankierende Maßnahme der Infektionsprävention ist, die eine konsequente  Händehygiene  allenfalls  ergänzt.

 

Literatur

1. Hartmann B, Benson M, Junger A et al. Computer keyboard and mouse as a reser- voir of pathogens in an intensive care unit. J Clin Monit Comput 2004;18(1):7–12.
2.  Fukada T, Iwakiri H, Ozaki M. Anaesthe- tists‘ role in computer keyboard contami- nation in an operating room. J Hosp Infect 2008;70(2):148–153.
3.  Dumford  DM  3rd,  Neradzic  MM,  Eck- stein  BC,  Donskey  CJ.  What  is  on  that keyboard?  Detecting  hidden  environ- mental  reservoirs  of  Clostridium difficile during an outbreak associated with North American pulsed-field gel electrophoresis type 1 strains. Am J Infect Control 2009. 37(1):15–19.
4.  Clay S, Maherchandani S, Malik YS, Goyal SM. Survival on uncommon fomites of fe- line calicivirus, a surrogate of norovirus- es. Am J Infect Control 2006;34(1):41–43.
5.  Hospital  computer  keyboards  and keyboard  covers  harbor  potentially harmful  bacteria.  Hosp  Health  Netw 2005;79(5):81–82. 6.  Engelhart S, Fischnaller E, Simon A, Ge- bel J, Büttgen S, Exner M. Microbial con- tamination  of  computer  user  interfaces (keyboard, mouse) in a tertiary care cen- tre under conditions of practice. HygMed 2008;33(12):456–459.
7.  Wilson AP, Ostro P, Magnussen M, Cooper B, Keyboard Study Group. Laboratory and in-use assessment of methicillin-resistant Staphylococcus aureus contamination  of ergonomic computer keyboards for ward use. Am J Infect Control 2008;36(10):e19– 25.
8.  Koscova J, Hurnikova Z, Pistl J, Degree of Bacterial Contamination of Mobile Phone and Computer Keyboard Surfaces and Ef- ficacy of Disinfection with Chlorhexidine Digluconate  and  Triclosan  to  Its  Reduction. Int J Environ Res Public Health 2018; 15(10).
9.  Robert Koch-Institut, Was ist beim Einsatz von Personal Computern (PC) und Note- books im Bereich der Patientenversorgung in Einrichtungen des Gesundheitswesens zu  berücksichtigen?  https://www.rki. de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushy- giene/ThemenAZ/C/Computertastatur. html
10. Boyce JM, D. Pittet D. Guideline for Hand Hygiene in Health-Care Settings: recom- mendations  of  the  Healthcare  Infection Control  Practices  Advisory  Committee and the HICPAC/SHEA/APIC/IDSA Hand Hygiene Task Force. Infect Control Hosp Epidemiol 2002;23(12 Suppl):S3–40.
11. Wilson AP, Hayman S, Folan P et al. Com- puter keyboards and the spread of MRSA. J Hosp Infect 2006;62(3):390–392.
12. Rutala WA, White MS, Gergen MF, Weber DJ. Bacterial contamination of keyboards: efficacy  and  functional  impact  of  disin- fectants.  Infect  Control  Hosp  Epidemiol 2006;27(4):372–377.
13. Kramer  A,  Schwebke  I,  Kampf  G.  How long do nosocomial pathogens persist on inanimate surfaces? A systematic review. BMC Infect Dis 2006;6:130.
14. Gostine A, Gostine D, Donohue C, Carl- strom  L.  Evaluating  the  effectiveness  of ultraviolet-C lamps for reducing keyboard contamination in the intensive care unit: A longitudinal analysis. Am J Infect Con- trol 2016;44(10):1089–1094.

 

*  Diese Frage an die Desinfektionsmittel-Kommission des VAH wurde von Dr. med.Johannes Tatzel und Prof. Dr. Peter Heeg, Mitglied  der Desinfektionsmittel-Kommission im VAH, beantwortet. Die Antworten geben die Expertenmeinung der Autoren,  jedoch nicht notwendigerweise den Konsens der Kommission wieder. Vollständig überarbeitet mit Stand Mai 2019. Erstveröffentlichung: Heeg P, Christiansen C. HygMed 2012; (37)3: 98–99

 

 

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