Klimaschutz in deutschen Krankenhäusern

© iStock.com/PanAek

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Deutschlands Krankenhäuser sind Energie-Großverbraucher – ca. fünf Prozent des deutschen CO2-Ausstoßes verursacht das Gesundheitswesen. Gleichzeitig gehören alte Heizkessel und schlecht gedämmte Gebäude vielerorts noch zum Standard in den Kliniken, denn seit Jahrzehnten ausbleibende Investitionskostenfinanzierung macht grundlegende energetische Sanierungen unmöglich.  


Durch Klimawandel und extreme Energiekostensteigerungen steht das Thema Energieeffizienz in Krankenhäusern erneut ganz oben auf der Agenda. Welchen Beitrag leisten Krankenhäuser bereits zur Energiewende, und welchen könnten sie leisten? Was bedeutet die Gas- und Energiekrise für die Gesundheitsversorgung in Deutschland?  
In einer Pressekonferenz der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) am 19. Juli 2022 mit Dr. Gerald Gaß, dem Vorstandsvorsitzenden der DKG, Dr. Anna Levsen, Deutsches Krankenhausinstitut, und Joachim Odenbach, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DKG, wurde dieses Thema diskutiert.


Dr. Gerald Gaß betonte, dass sich der Klimawandel nicht mehr wegdiskutieren lasse – Das lasse sich an diesem, dem bisher heißesten Tag des Jahres, gut nachvollziehen.
Was bedeutet das für das Gesundheitswesen? Gaß präsentierte das vom Deutschen Krankenhaus-Institut durchgeführte Gutachten „Klimaschutz in deutschen Krankenhäusern“. Einige Eckdaten daraus: 92% der Krankenhäuser nutzen Gas zur Wärmeversorgung, z.T. sogar ausschließlich, mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 4,9 Mio m3 pro Jahr – das entspricht in etwa dem Verbrauch von 3000 Einfamilienhäusern pro Jahr.
Nun kommt es zu Preissteigerungen, teilweise bis hin zur Verdreifachung, v.a. wenn zuvor bestehende, langfristige Lieferverträge auslaufen. Gleichzeitig haben über 60% der Krankenhäuser keine Möglichkeit, den Gasverbrauch signifikant zu reduzieren. Dies wäre nur durch Umrüstung von Anlagen möglich. Dabei besteht ein großes Investitionsdefizit – Krankenhäuser sind ähnlich wie die Bahn deutlich unterinvestiert, weil die Themen bauliche Infrastruktur ebenso wie Digitalisierung und Klimaschutz über Jahre vernachlässigt worden sind.

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Dr. Anna Levsen
, Senior Research Managerin Deutsches Krankenhausinstitut, stellte aus dem Gutachten klima- und energierelevante Daten in Krankenhäusern vor. Der Gesundheitssektor verursacht global 4,4% der Treibhausgasemissionen und damit mehr als die Luft- oder Schifffahrt – in Deutschland sind es über 5% der Emissionen.
In einer Erhebung per Fragebogen wurden 2019 1399 Krankenhäuser mit mehr als 50 Betten befragt, der Rücklauf lag bei 18,8%. Diese landesweite Erfassung klima- und energierelevanter Daten zeigt den Status quo. Das Gutachten enthält außerdem Daten zu möglichen Maßnahmen und Investitionskosten.
Acht Themenfelder wurden untersucht, darunter u.a. Energiemanagement, Stromverbrauch, Abfall und Frischwasserverbrauch. Es zeigte sich auch, dass niederschwellige Maßnahmen wie Mülltrennung oder Strom- und Heizungssparen oft schon umgesetzt sind. Der Umsetzungsstand von möglichen Maßnahmen in verschiedenen Bereichen wie z.B. Energie- und Stromsparen liegt bei 40–60%.
Eine konkrete Kostenabschätzung ist schwierig, weil in den Häusern sehr unterschiedliche Ausgangssituationen bestehen, aber der Investitionsbedarf ist in jedem Fall hoch und dringlich, erklärte Levsen.
Vorhandene Fördermittelprogramme müssten stärker in Anspruch genommen werden und es müssten den Krankenhäusern mehr Informationen dazu verfügbar gemacht werden.
Eine Zusatzfinanzierung in Form eines Klimaschutzfonds ist aber erforderlich – ein mittlerer zweistelliger Milliardenbereich sei notwendig, um alle Krankenhäuser klimaneutral zu machen. Mehr dazu >>


DKI-Gutachten „Klimaschutz in deutschen Krankenhäusern“ >>

Fact Sheet zur DKI -Studie zum Klimaschutz in deutschen Krankenhäusern >>

Umfrage Juli 2022: Gas- und Stromversorgung in den Krankenhäusern >>


Lesen Sie außerdem: Was macht ein Krankenhaus grün?

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