Hygienemaßnahmen: Entscheidungsfindung und Informationsvermittlung - 13. Ulmer Symposium Krankenhausinfektionen, 27.- 29. März 2019

Vom 27. – 29. März fand im Congress Centrum am Donau- Ufer das Ulmer Symposium Krankenhausinfektionen statt. In der Eröffnungssitzung warf Prof. Dr. Wolfgang Gaissmaier aus Konstanz einen Blick auf eines der Hauptthemen des Kongresses – die Psychologie der Entscheidungsfindung.

Bekannt ist, dass Gefahren oft falsch eingeschätzt werden, z.B. wird Autofahren als sicherer empfunden als eine Flugreise, und die Angst, bei einem Terroranschlag umzukommen ist vergleichsweise hoch, das reale Risiko aber tatsächlich verschwindend gering, v.a. im Vergleich mit z.B. der Gefahr, an einem Herzinfarkt zu sterben.
Ebenso wird der Nutzen medizinischer Maßnahmen oft überschätzt, und anekdotischen Berichten wird u.a. durch soziale Verstärkung mehr Bedeutung beigemessen als Fakten.
Gaissmaier machte dafür u.a. einen Mangel an Evidenzkultur verantwortlich. Oft werden Kausalitäten angenommen, die nicht existieren. Ein Grund dafür sei, dass medizinische Information oft schwer verständlich dargeboten werden und zudem der Umgang mit Statistiken nicht ausreichend gelehrt werde. Gaissmaier verdeutlichte dies anhand einiger Beispiele, z.B. zum Zusammenhang von Fleischverzehr und Krebsrisiko, und rief abschließend dazu auf, Daten besser aufzubereiten. Eine transparente Darstellung fördert das Verständnis und vereinfacht das Aufstellen von Entscheidungsregeln.

Im Anschluss beleuchtete Prof. Dr. Andreas Gutzeit aus der Schweiz das Thema Entscheidungsfindung aus der Sicht des Radiologen. Er stellte die Bedeutung der Kommunikation heraus, die z.B. am 11. September 2001 dazu geführt hat, dass innerhalb von Minuten nach dem Anschlag auf das World Trade Center sämtliche Flugzeuge im Luftraum der USA irgendwo gelandet werden konnten, obwohl es hierfür keinen vorgefertigten Prozess gab.
Wie andererseits eine unzureichende Kommunikation zu negativer Darstellung in den Medien führen kann, verdeutlichte Gutzeit anhand seiner eigenen Abteilung. Hier werden MRT-Scans auch an Hunden durchgeführt. Nachdem dies in den Medien zum Risiko aufgebauscht worden war, entschloss man sich, dem eine evidenzbasierte Herangehensweise entgegenzusetzen und untersuchte systematisch die Scanner an mehreren Krankenhäusern. Außerdem wurden Abklatschproben von Hunden (Fell) und Menschen (Bart) sowie jeweils Abstriche von der oralen Schleimhaut genommen.
Es fanden sich hochsignifikant mehr (humanpathogene) Keime im Bart als im Fell, auch hatten die Menschen mehr Keime im Mund als die Hunde im Maul, darunter allerdings weniger pathogene Keime.
Die Untersuchung der Scanner selbst zeigte, dass die für Mensch und Hund alternierend genutzten sogar geringere KBE-Zahlen aufwiesen. Es ergibt sich also kein Nachteil, wenn das Gerät auch für Hunde benutzt wird und der etablierte Desinfektionsprozess ist offensichtlich ausreichend wirksam.
In einer ähnlichen Untersuchung zeigte Gutzeit, dass Haltegriffe in öffentlichen Bussen sowie öffentliche Toiletten mit wesentlich weniger Mikroorganismen belastet waren als in der Klinik verwendete Ultraschallsonden. Dieser Missstand ließ sich nach einer Schulung des Personals zur Desinfektion der Sonden allerdings beheben. Um solche Verbesserungen zu ermöglichen sei eine vertrauensvolle Kommunikation und Diskussion auf der Sachebene nötig, erklärte Gutzeit. ...

Autorinnen: Dr. Gudrun Westermann, Alexandra Becker

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